Über das OERhörnchen

Was sind maschinenlesbare Lizenzinformationen?

Lehr- und Lernmaterialien unter freier Lizenz (Open Educational Resources) im deutschsprachigen Raum zu finden ist etwas tricky. Das World Wide Web gleicht dem hektischen Großstadtschungel, durch den sich auch manche Eichhörnchen bewegen müssen auf der Suche nach Futter. Das OERhörnchen soll die Suche nach Inhalten unter freier Lizenz als kleines Werkzeug vereinfachen. Das OERhörnchen nutzt hierfür die Maschinenlesbarkeit von Creative Commons Lizenzen.

Interview über die Ziele und Entstehung des Projekts auf ZBW Mediatalk: Open Educational Resources auffindbar machen: Das Suchtool OERhörnchen
This interview is also available in english: English interview

FAQ

Was sind maschinenlesbare Lizenzinformationen?

Creative-Commons-Lizenzen können im HTML-Quelltext von Webseiten maschinenlesbar hinterlegt werden, sodass Suchmaschinen oder andere Dienste diese Information automatisch verarbeiten können. Somit können Webseiten/Inhalte im World Wide Web nach den jeweiligen Lizenzen automatisch gefiltert werden. Beispielsweise wertet die Suchmaschine Google oder der Bookmarkingdienst Edutags diese Angabe aus.

Drei Schichten der Creative Commons Lizenz. Grafik von creativecommons.org unter CC BY 3.0

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Information im Quelltext zu hinterlegen.

Unbedigt erforderlich: Lizenztextlink mit "rel"="license"

Die wichtigste ist hierbei die "rel"="license" Angabe, welche unbedingt erforderlich ist und bei dem Link auf den Lizenztext hinterlegt werden sollte:

<a rel="license" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode"  target="_blank">CC BY 4.0</a>

Optionale Angaben

Weiterhin können die Autorenangaben und weitere Informationen maschinenlesbar hinterlegt werden:

<span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" property="dct:title">"<a href="https://LINK-ZUM-WERK.de" target="_blank" xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" rel="cc:attributionURL">TITEL DES WERKS</a>"</span> von <span xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" property="cc:attributionName"><a href="https://LINK-ZUR-ERSTELLERIN.de" target="_blank">NAME DER/DES ERSTELLERS</a></span>

Tools zum Generieren des HTML-Codes

Es gibt Werkzeuge, um den HTML-Code automatisch für seine Webseite erstellen zu lassen

Weitere Informationen

Wer entwickelt das OERhörnchen?

Das OERhörnchen wurde im September 2017 von mir, Matthias Andrasch (@m_andrasch), erstmals auf Github als Open-Source-Projekt veröffentlicht. Danke für das zahlreiche Feedback sowie die freiwilligen Beiträge von anderen Entwickler_innen zum Projekt!

Habe ich eine eigene Suchmaschine entwickelt?

Nein. Das OERhörnchen ist eher ein Suchwerkzeug, welches bestimmte Filtereinstellungen (für die Lizenzsuche) einfacher zugänglich macht und somit für Nutzer_innen die Suche nach OER vereinfachen soll. Das OERhörnchen verlinkt lediglich auf die Ergebnisse der Google Suchmaschine bzw. auf andere Portale, stellt jedoch die Sucheinstellungen (mittels GET-Parametern) bereits so ein, dass nur Inhalte mit OER-kompatibler Lizenz angezeigt werden (Siehe Lizenzeinstellungen in der OERhörnchen-Suche). Somit muss man nicht auf jeder Seite diese Einstellungen manuell durchführen. Inspiration für das Projekt war die Seite search.creativecommons.org, welche ebenfalls nach diesem Prinzip der Weiterleitung mit voreingestellten GET-Parametern funktioniert.

Für die Projektsuche, welche nur auf bestimmten Webseiten statt im gesamten Web sucht via Google, habe ich den „site:“-Operator mit einer OR-Verknüpfung kombiniert. Die Limitierung liegt hierbei auf 32 Wörtern im Suchfeld/Suchstring. Eine andere Möglichkeit habe ich bisher nicht gefunden, da z.B. die Google Custom Search Engine leider out-of-the-box keinen Lizenzfilter anbietet. Über die Google CSE-API funktioniert dies (siehe oerhoernchen.de/cse), allerdings sind die täglich erlaubten API-Abrufe stark begrenzt.

Was sind Open Educational Resources?

Videos zur Einführung in die Thematik auf oerlabs.de:
Videosammlung: Open Educational Resources?

Eigene Vorträge zum Thema OER:

Was sind Creative Commons Lizenzen?

Freie Bildungsmaterialien werden mit Hilfe von den sogenannten „Creative Commons“-Lizenzen veröffentlicht, um möglichst einfach nutz- und veränderbar zu sein. Die Lizenzen sollen eine offene Alternative zu komplizierten indivduellen Absprachen zwischen Urheber*innen und Nutzer*innen von Inhalten sein, die durch die gängigen Urheberrechtsgesetze nötig sind. Informationen zu den verschiedenen Lizenztypen, welche die Nonprofit-Organisation Creative Commons entwickelt hat, finden sich in diesem Video: „[COER MOOC] Video 3 - Einführung in die CC Lizenzierung“. Vorsicht: Nicht alle Lizenzvarianten sind für Open Educational Resources geeignet.

Was sind „OER-kompatible“ Lizenzen?

Die UNESCO-Definition von freien Bildungsmaterialen besagt, dass eine „offene Lizenz [für OER] [..] den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen [ermöglichen soll]“. Nimmt man diesen Anspruch ernst, sollten nur die folgenden Lizenzen für OER eingesetzt werden, um rechtliche Fallstricke und Unklarheiten zu vermeiden:

  • CC0/Public Domain
  • CC BY
  • CC BY-SA (ShareAlike)

Die Organisation Creative Commons bezeichnet diese Lizenzvarianten ebenfalls als “Approved for Free Cultural Works”, welche u.a. auch mit den Open-Definitionen im Open-Source-Bereich kompatibel sind.

Kommerzielle Nutzung verboten - kein Problem?

Neben den obigen Lizenzvarianten wird meist intuitiv die NC-Einschränkung von Creative Commons für die Lizenzierung ausgewählt ohne die Konsequenzen abschätzen zu können. Warum NC doof/unpraktikabel ist, habe ich hier aufgeschrieben.

Veränderungen verboten?

Bildungsmaterialien im Bereich OER sollen verändert und wiederveröffentlicht werden können (siehe 5R/5V) - daher steht die Einschränkung „Keine Veränderung“ (ND = no derivatives) schon grundsätzlich im Widerspruch zu OER. Dadurch werden z.B. Übersetzungen oder das Benutzen von Inhalten in Videos verunmöglicht, was für die meisten Inhalte ziemlich schade ist. Die Inhalte sind jedoch nicht ganz für OER verloren - wer sich für die kreativen Grenzen interessiert, die durch die ND-Klausel entstehen, findet hier einen tollen Beitrag: Kombinieren, Bearbeiten, Remixen: OER richtig verwenden.